Das Kirchenjahr
Katholische, evangelische und orthodoxe Christen feiern dieselben Feste – nur beginnt ihr Jahr an verschiedenen Tagen, und manche Termine fallen auseinander. Diese Seite zeigt beide Zählweisen nebeneinander: was gefeiert wird, wann es liegt und was traditionell dazugehört.
„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“
Kohelet 3,1 · Prediger 3,1Zwei Anfänge, ein Jahr
Das Kirchenjahr beginnt nicht am 1. Januar. In den westlichen Kirchen – katholisch wie evangelisch – beginnt es mit dem ersten Adventssonntag, also vier Sonntage vor Weihnachten. Die orthodoxen Kirchen beginnen ihr Jahr am 1. September, dem Tag der Indiktion.
Beide Anfänge erzählen dieselbe Geschichte, nur setzen sie anders an. Der Advent beginnt mit dem Warten auf den, der kommt. Die Indiktion beginnt mit einer Ankündigung: Gelesen wird die Szene, in der Jesus in der Synagoge von Nazaret aufsteht und aus dem Propheten Jesaja ein Gnadenjahr des Herrn ausruft.
Was danach folgt, ist in allen Traditionen dasselbe Grundmuster: Zeiten der Vorbereitung, Zeiten des Festes und lange Wochen des gewöhnlichen Lebens dazwischen – im Westen an den liturgischen Farben ablesbar.
- Violett – Advent und Passionszeit, Zeiten der Umkehr
- Weiss – Weihnachten, Ostern und die Christusfeste
- Rot – Pfingsten, der Heilige Geist und die Märtyrer
- Grün – die Wochen dazwischen, Zeit des Wachsens
Der Ring folgt dem westlichen Kirchenjahr. Der Punkt links markiert, wo im selben Kreis das orthodoxe Jahr beginnt.
Warum dieselben Feste auf verschiedene Tage fallen
Dafür gibt es zwei getrennte Gründe, die oft verwechselt werden.
Der Kalender. Die westlichen Kirchen und ein Teil der orthodoxen Kirchen – die griechische, rumänische, bulgarische und antiochenische – rechnen nach dem gregorianischen bzw. revidierten Kalender. Die russische, serbische und georgische Kirche, das Patriarchat von Jerusalem und der Heilige Berg Athos halten am julianischen Kalender fest, der derzeit dreizehn Tage später liegt. Deshalb steht bei den festen Terminen oft ein zweites Datum: Weihnachten am 25. Dezember oder am 7. Januar – derselbe Tag, andere Zählung.
Die Osterrechnung. Ostern liegt in allen Kirchen am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Die Orthodoxie bestimmt diesen Vollmond jedoch nach dem julianischen Kalender und hält daran fest, dass Pascha nach dem jüdischen Pessach liegt. Daher fällt das orthodoxe Osterfest meist später – 2027 etwa fünf Wochen. Manchmal fallen beide zusammen: 2028 feiern alle Christen Ostern am 16. April.
Massgeblich ist immer der Kalender Ihrer eigenen Gemeinde. Alle hier genannten Zählweisen sind kirchlich anerkannt – keine ist die richtigere.
Was alle Christen feiern
Über die Konfessionen hinweg trägt das Jahr denselben Kern: die Menschwerdung, das Leiden, die Auferstehung und die Sendung des Geistes. Die Betonung fällt unterschiedlich aus, das Gerüst ist dasselbe.
Feste mit festem Datum
Diese Tage liegen jedes Jahr gleich. Die zweite Angabe gilt für Gemeinden nach dem julianischen Kalender.
Die beweglichen Feste 2027
Diese Termine hängen am Osterdatum und verschieben sich jedes Jahr. 2027 liegt das westliche Ostern am 28. März, das orthodoxe Pascha am 2. Mai.
orthodox 15. MärzBeginn der FastenzeitAschermittwoch im Westen, Reiner Montag im Osten. Beide führen über vierzig Tage zu Ostern.
orthodox 25. AprilPalmsonntagDer Einzug in Jerusalem und der Beginn der Karwoche.
orthodox 2. MaiOstern – PaschaDie Auferstehung, gefeiert in der Osternacht. 2028 fallen beide Termine auf den 16. April.
orthodox 10. JuniChristi HimmelfahrtVierzig Tage nach Ostern.
orthodox 20. JuniPfingstenFünfzig Tage nach Ostern. Im Osten folgt am Montag der Tag des Heiligen Geistes.
Die Zeiten der Vorbereitung
Kein grosses Fest steht allein. Vor jedem liegt eine Zeit, die darauf zugeht – im Westen kürzer und milder, im Osten länger und strenger, im Kern aber dieselbe Übung: weniger Ablenkung, mehr Gebet, mehr Aufmerksamkeit für den Nächsten.
Wie streng jemand fastet, ist in allen Traditionen eine Frage des Masses und wird mit dem Priester oder Pfarrer besprochen. Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende werden anders behandelt – ein ehrlich gehaltenes kleines Mass ist mehr wert als ein aufgegebenes grosses.
Wie ein Fest zu Hause ankommt
Zwischen Gottesdienst und Alltag liegt der Ort, an dem die meiste Zeit des Jahres verbracht wird. Ein Fest kommt dort nicht durch Aufwand an, sondern durch wenige, wiederkehrende Zeichen – und die sind in allen Konfessionen ähnlich.
- Eine Ikone oder ein Bild des Festes für einige Tage sichtbar aufstellen.
- Eine Kerze anzünden, wenn die Familie zusammenkommt – am Vorabend, nicht erst am Festtag selbst.
- Den Text des Tages laut lesen. Zwei Minuten genügen, und sie verändern den Abend.
- Vor grossen Festen Weihrauch verwenden; das Gebet zum Anzünden gibt dem Moment Worte.
- Einen Menschen einladen oder anrufen, der allein ist. Das gehört zum Fest wie der Gottesdienst.
Für Weihrauch braucht es ein standsicheres Räuchergefäss; welche Art zu welcher Anwendung passt, steht im Artikel über Räuchergefässe und ihre Auswahl.
Die Feste ausführlich gelesen
Zu einigen Tagen gibt es hier einen eigenen Artikel – mit der biblischen Grundlage, der Ikone des Festes und dem, was traditionell dazugehört.
Häufige Fragen zum Kirchenjahr
Wann beginnt das Kirchenjahr?
In den katholischen und evangelischen Kirchen mit dem ersten Adventssonntag, vier Sonntage vor Weihnachten – 2026 also am 29. November, 2027 am 28. November. Die orthodoxen Kirchen beginnen ihr Jahr am 1. September.
Warum feiern manche Christen Weihnachten am 7. Januar?
Nicht weil es ein anderes Fest wäre. Gemeinden, die am julianischen Kalender festhalten, feiern ebenfalls den 25. Dezember – dieser fällt bürgerlich derzeit auf den 7. Januar. Der Abstand von dreizehn Tagen wächst im Lauf der Jahrhunderte langsam weiter.
Warum fällt das orthodoxe Ostern meist später?
Alle Kirchen bestimmen Ostern als ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Die Orthodoxie berechnet diesen Vollmond nach dem julianischen Kalender und hält daran fest, dass Pascha nach dem jüdischen Pessach liegt. 2027 liegen fünf Wochen dazwischen, 2028 fallen beide Termine zusammen.
Was bedeuten die liturgischen Farben?
Violett steht für Umkehr und Vorbereitung und gilt in Advent und Passionszeit. Weiss ist die Farbe des Lichtes und der Auferstehung, sie gehört zu Weihnachten, Ostern und den Christusfesten. Rot bezeichnet den Heiligen Geist und die Märtyrer, also Pfingsten und den Reformationstag. Grün trägt die Wochen dazwischen.
Feiern evangelische Christen die Marienfeste?
In der Regel nicht als Hochfeste. Die evangelischen Kirchen kennen Maria vor allem aus den biblischen Texten der Advents- und Weihnachtszeit; Verkündigung und Mariä Heimsuchung sind in manchen Kalendern als Gedenktage geführt. Als eigene Feste mit Vorbereitungszeit begehen sie die katholische und die orthodoxe Tradition.
Wenige Zeichen, das ganze Jahr hindurch
Ikonen, Kreuze, Weihrauch und Räuchergefässe für Gebet und Hausaltar – sorgfältig ausgewählt und für den täglichen Gebrauch gedacht, nicht für die Vitrine.
Quellen und Weiterlesen
Für die Termine, die liturgischen Farben und die Ordnung der Feste in den einzelnen Traditionen:
Die Angaben folgen der Praxis in Deutschland. Massgeblich für Sie ist immer der Kalender Ihrer eigenen Gemeinde.



