Anfang November

Allerheiligen und Allerseelen – zwei Tage, zwei Bedeutungen

Am 1. November feiert die Kirche alle Heiligen, am 2. November gedenkt sie aller Verstorbenen. Woher die beiden Tage kommen, warum schon am Nachmittag des 1. November die Gräber gesegnet werden, was das rote Licht auf dem Grab sagt – und warum in Bayerisch-Schwaben ein Hefezopf dazugehört.

  • Allerheiligen: 1. November
  • Allerseelen: 2. November
  • In Bayern gesetzlicher Feiertag
Bayerischer Dorffriedhof an einem Novemberabend mit vielen brennenden roten Grablichtern
Wie das Fest entstand

In den ersten Jahrhunderten bekam jeder Märtyrer seinen eigenen Tag im Kalender. Dann wurden es zu viele. Es war schlicht nicht mehr möglich, an jeden Einzelnen eigens zu denken – und aus dieser Nötigung entstand ein Fest für alle zusammen.

Darin liegt bis heute der Kern des 1. November: Gefeiert werden nicht nur die Heiligen, deren Namen in den Kalendern stehen, sondern auch die unzähligen, von denen niemand mehr weiß. Das Evangelium des Tages sind die acht Seligpreisungen – kein Text über den Tod, sondern einer über ein gelungenes Leben.

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Zwei Tage, nicht einer

Die häufigste Verwechslung zuerst: Allerheiligen ist nicht der Totengedenktag. Der ist einen Tag später.

1. November – Allerheiligen. Gefeiert werden alle Heiligen: die bekannten und die namenlosen, die heiliggesprochenen und die, von denen nur Gott weiß. Liturgisch ist es ein Hochfest mit weißem Gewand, Gloria und Credo. Kein Trauertag, sondern ein Freudentag.

2. November – Allerseelen. Hier geht der Blick zu den Verstorbenen. Gebetet wird für sie, besonders für die, an die sonst niemand mehr denkt – im alten Sprachgebrauch für die „Armen Seelen“.

Im gelebten Brauch sind die beiden Tage längst zu einem Doppelfest zusammengewachsen. Wer am 1. November auf den Friedhof geht, tut inhaltlich schon das, was zum 2. November gehört. Das ist kein Fehler – es ist gewachsene Praxis.

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Woher der 1. November kommt

Man liest oft, Papst Gregor IV. habe Allerheiligen im Jahr 835 eingeführt. Das greift zu kurz.

Das gemeinsame Gedenken aller Märtyrer gibt es seit dem 4. Jahrhundert, zuerst im christlichen Orient. Gefeiert wurde es an ganz verschiedenen Terminen. Erst gegen Ende des 8. Jahrhunderts setzte sich in Irland der 1. November durch – vermutlich, weil dort an diesem Tag der Winter und das keltische Jahr begannen. Gregor IV. (828–844) und Kaiser Ludwig der Fromme (813–840) haben diesen Termin dann gefördert und verbreitet. Geblieben ist er bis heute.

Der Abend davor. Als Hochfest beginnt Allerheiligen kirchlich schon am Vorabend, mit der ersten Vesper am 31. Oktober. Genau daher kommt auch der Name Halloween: aus All Hallows’ Eve, dem Abend vor Allerheiligen. Die beiden sind also keine Gegner – das eine ist der Vorabend des anderen.

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Das Fest des offenen Himmels

Das Bistum Augsburg nennt Allerheiligen das Fest des offenen Himmels. Gemeint ist der Blick nach vorn: auf das himmlische Jerusalem, auf das Ziel und nicht auf das Ende.

Deshalb steht am 1. November auch nicht ein Text über den Tod im Mittelpunkt, sondern die Bergpredigt: „Selig, die arm sind vor Gott“, „Selig, die Trauernden“, „Selig, die Frieden stiften“. Acht Sätze darüber, woran ein gelungenes Leben zu erkennen ist.

Und daraus folgt der eigentliche Gedanke des Tages: Heiligkeit ist keine Auszeichnung für wenige. Jede und jeder ist dazu berufen. Die meisten Heiligen, die an diesem Tag gefeiert werden, haben nie eine Kirche von innen geleitet, keine Wunder gewirkt und stehen in keinem Kalender. Sie haben einfach gut gelebt.

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Allerseelen und das Jahr 998

Für die Verstorbenen zu beten gehörte von Anfang an zum Christentum. Einen eigenen Tag dafür gibt es erst seit dem Jahr 998: Abt Odilo von Cluny ordnete für den 2. November das Gedenken aller Verstorbenen an. Von Cluny aus verbreitete sich der Brauch über Europa.

Gut tausend Jahre später ist der Gedanke derselbe geblieben. Die Lebenden und die Toten bleiben verbunden. Man kann füreinander beten, auch über den Tod hinaus – und man kann an jemanden denken, an den sonst niemand mehr denkt.

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Der Gang auf den Friedhof

In katholischen Gegenden gehört der Nachmittag des 1. November dem Friedhof. Nach dem Gottesdienst zieht die Gemeinde hinaus, und die Gräber werden gesegnet.

Inhaltlich steht diese Gräbersegnung schon unter dem Vorzeichen von Allerseelen. Sie ist ausdrücklich nicht nur Trauer: Sie soll Auferstehungshoffnung und Fürbitte ausdrücken. Der Priester geht die Reihen ab, besprengt die Gräber mit Weihwasser, die Angehörigen stehen dabei.

Vorbereitet wird das in den Tagen davor. Die Gräber werden geräumt, das Laub weggenommen, frisch bepflanzt. Traditionell gehören weiße Chrysanthemen dazu – sie blühen, wenn fast nichts mehr blüht, und stehen deshalb für eine Liebe, die über den Tod hinaus dauert.

Brennendes rotes Grablicht mit weissen Chrysanthemen auf einer Grabplatte in der Daemmerung
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Das rote Licht und was es sagt

Wenn es am Abend des 1. November dämmert, stehen auf den Gräbern die Lichter. Meist rot, in Glas, mit Deckel, damit sie den Regen aushalten. Das Allerseelenlicht brennt für die Auferstehung und für das ewige Licht – und im Volksglauben zeigt es den Seelen den Weg zurück zu ihrem Ort.

Es gibt Jahre, in denen der Weg auf den Friedhof nicht geht. Zu weit, zu krank, das Grab liegt in einem anderen Land. Dafür gibt es den anderen Ort: die Fensterbank zu Hause. Eine Kerze, ein Name, der laut gesagt wird, und einen Augenblick Stille. Mehr braucht dieser Abend nicht.

Wer zu Hause ein festes Zeichen möchte, stellt ein Kreuz dazu. Es bleibt stehen, wenn die Kerze längst heruntergebrannt ist.

Brennende weisse Kerze und ein Holzkreuz auf einer Fensterbank in einer dunklen Stube
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Der Seelenzopf – ein schwäbischer Brauch

In Bayerisch-Schwaben, also auch im Allgäu, gehört zu diesen Tagen etwas, das die wenigsten außerhalb der Region kennen: ein Hefezopf.

Paten schenken ihren Patenkindern um Allerheiligen und Allerseelen einen Seelenzopf oder eine Allerseelenbreze – gesüßter Hefeteig, geflochten, oft mit Hagelzucker. Ursprünglich gingen diese Gebildbrote nicht nur an Patenkinder, sondern auch an Arme und Bedürftige. Daraus wurde regional das Patengebäck.

Dahinter steht ein alter Gedanke, der heute rührend klingt und damals ernst gemeint war: Die Hefe im Teig treibt nach oben – und so, glaubte man, treibe sie auch die Seele schneller nach oben. Früher wurden solche Brote sogar an die Grabkreuze gehängt.

Wer eines bekam, sagte dazu: „Vergelt’s Gott für die arme Seele.“ Ein Dank und eine kurze Fürbitte in einem Satz. Beim Bäcker gibt es die Seelenzöpfe bis heute – aber nur etwa drei Wochen im Jahr.

Dreistraengiger Hefezopf mit Hagelzucker auf einem dunklen Holztisch
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Was in Bayern an diesen Tagen gilt

Allerheiligen, 1. November, ist gesetzlicher Feiertag – in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Geschäfte bleiben zu, die Schule fällt aus.

Es ist zugleich ein stiller Feiertag. Öffentliche Tanzveranstaltungen sind an diesem Tag nicht erlaubt. Deshalb darf in Bayern auch an Halloween, also in der Nacht davor, nur bis zwei Uhr morgens gefeiert werden.

Allerseelen am 2. November ist kein gesetzlicher Feiertag. Das wird oft verwechselt. Kirchlich ist der Tag wichtig, arbeitsfrei ist er nicht.

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Für das Gedenken zu Hause

Wer an diesen Tagen zu Hause ein Zeichen setzen möchte, braucht wenig. Drei Stücke aus unserem Sortiment passen zu dem, was in diesem Beitrag steht.

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Häufige Fragen zu Allerheiligen und Allerseelen

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?

Am 1. November feiert die Kirche alle Heiligen – auch die unbekannten. Das ist ein Freudenfest. Am 2. November, an Allerseelen, wird für alle Verstorbenen gebetet. Im Brauchtum sind die beiden Tage zu einem Doppelfest zusammengewachsen.

Ist Allerheiligen ein Feiertag?

Ja, in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist der 1. November gesetzlicher Feiertag. Allerseelen am 2. November ist kein gesetzlicher Feiertag.

Warum ist Allerheiligen ein stiller Feiertag?

Weil der Tag dem Gedenken dient. Öffentliche Tanzveranstaltungen sind deshalb untersagt. In Bayern wirkt sich das bis in die Nacht davor aus: An Halloween darf nur bis zwei Uhr morgens gefeiert werden.

Wann werden die Gräber gesegnet?

Meist am Nachmittag des 1. November, nach dem Gottesdienst. Die genaue Uhrzeit legt jede Pfarrei selbst fest und gibt sie im Pfarrbrief bekannt.

Was bedeutet das rote Licht auf dem Grab?

Das Allerseelenlicht steht für die Auferstehung und für das ewige Licht. Rot ist die übliche Farbe; das Glas mit Deckel sorgt dafür, dass die Flamme bei Wind und Regen brennen bleibt.

Warum weiße Chrysanthemen?

Sie blühen im späten Herbst, wenn fast nichts mehr blüht. Deshalb gelten sie als Zeichen für eine Liebe, die über den Tod hinaus dauert.

Was ist ein Seelenzopf?

Ein gesüßter, geflochtener Hefezopf, den Paten in Bayerisch-Schwaben ihren Patenkindern um Allerheiligen schenken. Früher gingen solche Gebildbrote auch an Arme. Wer eines bekommt, sagt „Vergelt’s Gott für die arme Seele“.

Hängt Halloween mit Allerheiligen zusammen?

Ja. Der Name kommt von All Hallows’ Eve, dem Abend vor Allerheiligen. Als Hochfest beginnt Allerheiligen kirchlich bereits am Abend des 31. Oktober mit der ersten Vesper.

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Quellen

Bibelstellen nach der Lutherbibel 1912.
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