Ein Junge steht am Webstuhl seines Vaters in einem kleinen katalanischen Städtchen. Das Klappern der Schiffchen ist sein Alltag, Garn und Muster sind seine Welt. Niemand ahnt, dass dieser Weber einmal Erzbischof auf Kuba sein, einem Attentat knapp entkommen und am spanischen Königshof ein und aus gehen wird. Und noch weniger, dass er am Ende arm und fern der Heimat in einem französischen Kloster sterben wird.

Antonius Maria Claret hat ein Leben geführt, das wie ein Abenteuerroman klingt. Doch der rote Faden darin ist erstaunlich einfach: eine Frage aus dem Evangelium, die ihn nicht mehr losgelassen hat.

Das ganze Hörspiel auf YouTube ansehen

Der christliche Ausgangspunkt

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

nach Matthäus 16,26

Diese Worte Jesu hat Claret als junger Mann in Barcelona immer wieder gehört und gelesen. Sie trafen ihn mitten in einer vielversprechenden Karriere. Er war begabt, man bot ihm Aufstiegschancen in der Textilindustrie an, die Welt schien ihm offenzustehen. Der Vers stellt keine Drohung dar, sondern eine ehrliche Rechnung: Was nützt aller Erfolg, wenn das Innerste dabei verkümmert? Für Claret wurde daraus die Entscheidung seines Lebens.

Vom Webstuhl in Sallent zur Fabrik in Barcelona

Antonius Maria Claret wurde am 23. Dezember 1807 in Sallent in Katalonien geboren. Seine Familie lebte von der Weberei, und schon als Kind half er im Betrieb des Vaters mit. Er lernte das Handwerk gründlich und zeigte so viel Talent, dass er als junger Mann nach Barcelona ging, um in einer Textilfabrik zu arbeiten und sich in Musterzeichnung und Webtechnik weiterzubilden. Abends lernte er Sprachen, tagsüber entwarf er Stoffe.

Gerade in dieser Zeit, in der sich ihm alle Türen öffneten, wuchs in ihm eine Unruhe. Die Frage aus dem Matthäusevangelium ließ ihn nicht los. Er spürte, dass sein Leben einem größeren Ziel gehören sollte als Garn, Gewinn und gutem Ruf. 1829 trat er in das Priesterseminar von Vic ein, 1835 wurde er zum Priester geweiht.

Junge am Webstuhl mit seinem Vater in einer katalanischen Weberwerkstatt

Ein Volksmissionar zu Fuß

Claret wollte zunächst als Missionar in ferne Länder gehen und reiste dafür sogar nach Rom. Eine Krankheit zwang ihn zur Rückkehr. So wurde Katalonien selbst sein Missionsgebiet. Jahrelang zog er zu Fuß von Dorf zu Dorf, predigte auf Plätzen und in Kirchen, hörte stundenlang Beichte und schrieb kleine, leicht verständliche Bücher für einfache Leute. Später wirkte er auch auf den Kanarischen Inseln.

Am 16. Juli 1849 gründete er in Vic mit einigen Priestern die Gemeinschaft der Missionssöhne des Unbefleckten Herzens Mariens, die heute weltweit als Claretiner bekannt ist. Wenige Jahre später rief er gemeinsam mit María Antonia París auch eine Frauengemeinschaft ins Leben.

Antonius Maria Claret predigt auf einem Dorfplatz vor einfachen Leuten

Erzbischof auf Kuba und die Gnade für den Täter

Noch im Gründungsjahr der Claretiner wurde er zum Erzbischof von Santiago de Cuba ernannt. Auf der Insel fand er große Not vor: verarmte Familien, zerrüttete Ehen, Menschen in Sklaverei. Claret besuchte sein riesiges Bistum mehrmals vollständig, gründete Schulen und Sparkassen für die Armen, setzte sich für eine gerechtere Behandlung der Sklaven ein und machte sich damit mächtige Feinde.

Antonius Maria Claret als Erzbischof bei armen Familien auf Kuba

Im Februar 1856 griff ihn in Holguín ein Mann mit einem Messer an und verletzte ihn schwer im Gesicht. Claret überlebte. Und dann tat er etwas, das viele seiner Zeitgenossen nicht verstanden: Er setzte sich dafür ein, dass der Täter begnadigt wurde. Die Wunde im Gesicht trug er sein Leben lang, den Hass dagegen nicht.

Antonius Maria Claret schreibt am Tisch ein Gnadengesuch für seinen Attentäter

Am Königshof und im Exil

1857 rief ihn Königin Isabella II. nach Madrid und machte ihn zu ihrem Beichtvater. Claret nahm die Aufgabe an, blieb aber ein einfacher Mann, der Prunk und Politik mied, so gut es ging. Er gründete eine religiöse Bibliothek und Verlagsarbeit, förderte die Bildung und predigte weiter. Als die Revolution von 1868 die Königin ins Exil zwang, ging auch Claret nach Frankreich. Er nahm noch am Ersten Vatikanischen Konzil in Rom teil. Am 24. Oktober 1870 starb er, verfolgt und geschwächt, im Zisterzienserkloster Fontfroide bei Narbonne. Papst Pius XII. sprach ihn 1950 heilig.

Was uns Antonius Maria Claret heute sagt

Claret war kein Mensch, der der Welt den Rücken kehrte. Er kannte die Arbeit in der Fabrik, die Sorgen der kleinen Leute und die Spielregeln der Mächtigen. Gerade deshalb ist er ein guter Begleiter für unseren Alltag. Seine Frage lautet auch an uns: Wofür setze ich meine Kraft ein, meine Zeit, meine Talente?

Und dann ist da die Szene nach dem Attentat. Vergebung ist kein Gefühl, das man auf Knopfdruck abruft. Bei Claret war sie eine bewusste Entscheidung, die aus dem Gebet kam. Vielleicht gibt es auch in Ihrem Leben einen Menschen, dem Sie etwas nachtragen. Was wäre ein kleiner erster Schritt, ihm heute mit etwas mehr Gnade zu begegnen?

Ein Ort für Ihr Gebet

Clarets marianische Spiritualität kann dazu anregen, den eigenen Gebetsplatz bewusst zu gestalten. Entdecken Sie den Hausaltar aus Holz mit Öllämpchen und der Gottesmutter von Iveron. Wenn Sie Weihrauch in Ihrer Gebetszeit verwenden, finden Sie dazu den goldfarbenen Weihrauchbrenner aus Messing mit Teelicht und Sieb. Für Kreuz und Licht an einem Ort passt das Kruzifix aus Holz mit Ikonen und Kerzenglas.

Hausaltar ansehen und kaufen Weihrauchbrenner entdecken Kruzifix entdecken

Ein Impuls für Ihren Arbeitstag

Clarets Weg lädt dazu ein, die eigene Arbeit bewusst anzusehen. Welche Aufgabe erledigen Sie zuverlässig, obwohl niemand sie bemerkt? Wo gelingt es Ihnen, einem Menschen mit Ihrer Erfahrung zu helfen? Nehmen Sie sich am Abend einen kurzen Moment, um dafür zu danken. Ein geistlicher Neuanfang muss nicht bedeuten, den Beruf zu wechseln. Er kann damit beginnen, einer Kollegin zuzuhören, einen Fehler ehrlich einzugestehen oder eine Pause nicht wieder ausfallen zu lassen.

Sie können diese Fragen auch dann mitnehmen, wenn die katholische Heiligenverehrung nicht zu Ihrer eigenen Glaubenspraxis gehört. Im Mittelpunkt dieses Impulses steht die Frage nach einem verantwortlichen, von Nächstenliebe geprägten Leben. Ein schlichtes Gebet genügt: Gott, zeige mir, wo meine Fähigkeiten heute gebraucht werden, und hilf mir, mit meinen Kräften sorgsam umzugehen.

Häufige Fragen

Wann ist der Gedenktag des heiligen Antonius Maria Claret?

Die katholische Kirche feiert ihn am 24. Oktober, seinem Todestag.

Wer sind die Claretiner?

Die Claretiner, offiziell Missionssöhne des Unbefleckten Herzens Mariens, wurden 1849 von Claret in Vic gegründet. Sie sind heute in vielen Ländern in Seelsorge, Mission und Bildung tätig, auch im deutschsprachigen Raum.

Wofür ist Antonius Maria Claret Patron?

Er gilt als Patron der Weber und Textilarbeiter sowie der katholischen Presse und Verlagsarbeit, weil er selbst Weber war und unzählige Schriften verbreitete.

Wo liegen die Reliquien von Antonius Maria Claret?

Seine Gebeine wurden aus Frankreich nach Spanien überführt und ruhen heute in Vic in Katalonien, im Mutterhaus der Claretiner.

Warum wurde Claret auf Kuba angegriffen?

Mit seinem Einsatz für Arme und Sklaven und seiner Kritik an Missständen machte er sich Feinde. 1856 wurde er in Holguín mit einem Messer verletzt und bat später um Gnade für den Täter.

Quellen

  • Ökumenisches Heiligenlexikon (heiligenlexikon.de), Artikel Antonius Maria Claret
  • Antonius Maria Claret: Autobiografie
  • Martyrologium Romanum, 24. Oktober
  • Bibel: Lutherbibel 1912

Weiterlesen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vertrag widerrufen