Franz von Assisi und das Kreuz von San Damiano
Ein junger Kaufmannssohn kniet in einer verfallenen Kapelle. Vom Kreuz her hört er einen Satz, der sein Leben verändert – und der bis heute nachklingt.

Franz von Assisi ist einer der bekanntesten Heiligen der Christenheit. Am 4. Oktober gedenkt die Kirche seiner – und fast jede Erzählung über ihn beginnt an demselben Ort: in der kleinen, halb verfallenen Kirche San Damiano vor den Mauern von Assisi.
Er hörte: Geh und baue mein Haus wieder auf.
Er nahm es wörtlich und griff zu Steinen. Erst später verstand er, welches Haus gemeint war.
Wann Franz von Assisi gefeiert wird
Franziskus starb am Abend des 3. Oktober 1226 in der kleinen Kirche Portiuncula unterhalb von Assisi. Deshalb gedenkt die Kirche seiner am 4. Oktober. Schon zwei Jahre nach seinem Tod, 1228, wurde er heiliggesprochen.
Der 4. Oktober ist zugleich Welttierschutztag – ein Datum, das bewusst an Franziskus erinnert, der in allen Geschöpfen Brüder und Schwestern sah. Zwei Tage zuvor, am 2. Oktober, begeht die Kirche das Schutzengelfest. So liegt in dieser Woche viel Trost beieinander: Engel, die begleiten, und ein Heiliger, der zeigt, wie man einfach und dankbar lebt.
Wer Franz von Assisi war
Geboren wurde er um 1181 als Sohn des wohlhabenden Tuchhändlers Pietro di Bernardone. Er liebte Feste, schöne Kleider und den Traum vom Ritterruhm. Ein Kriegszug endete in Gefangenschaft und langer Krankheit – danach war er ein anderer.
Er suchte die Stille, pflegte Aussätzige, die er früher gemieden hatte, und gab schließlich alles zurück, was er von seinem Vater besaß. Aus diesem Neubeginn wuchs eine Gemeinschaft, die in Armut, Frieden und Freude leben wollte. Kurz vor seinem Tod dichtete er den Sonnengesang, in dem er Gott für Bruder Sonne und Schwester Mond lobt.
Das Kreuz von San Damiano
Das Kreuz, vor dem Franziskus betete, ist kein gewöhnliches Kruzifix. Es ist ein bemaltes Ikonenkreuz aus dem 12. Jahrhundert, geprägt von der Bildsprache des Ostens. Christus hängt nicht gebrochen am Holz – er steht aufrecht, die Augen geöffnet, ruhig und licht. Es ist das Kreuz des Auferstandenen.
Um ihn herum stehen die Zeugen der Passion: Maria und Johannes, Maria Magdalena, eine weitere Maria und der Hauptmann. Ganz oben steigt Christus in den Himmel auf, von Engeln empfangen. Das Original befindet sich heute in der Basilika Santa Chiara in Assisi; Nachbildungen hängen weltweit in Kirchen, Klöstern und Wohnungen.

Der Auftrag: Baue mein Haus wieder auf
Nach den frühen Lebensbeschreibungen hörte Franziskus um 1205 vom Kreuz die Worte: „Franziskus, geh hin und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz verfällt.“ Er verkaufte Stoffe aus dem Laden seines Vaters, sammelte Steine und begann, San Damiano mit eigenen Händen auszubessern. Danach folgten weitere kleine Kirchen, darunter die Portiuncula.
Erst mit der Zeit begriff er, dass nicht nur Mauern gemeint waren. Das Haus Gottes sind auch die Menschen – eine Kirche, die durch Einfachheit, Umkehr und Liebe neu wird.
„Wo der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“
Psalm 127,1Sein Gebet vor dem Kreuz
Überliefert ist ein kurzes Gebet, das Franziskus vor dem Kreuz von San Damiano gesprochen haben soll. Es bittet um Licht für ein dunkles Herz, um rechten Glauben, feste Hoffnung und vollkommene Liebe – und darum, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun.
Wer mag, kann es in diesen Tagen vor einem Kreuz zu Hause sprechen, in eigenen Worten oder in Stille. Mehr braucht es nicht.
Einfach leben, dankbar beten
Franz von Assisi lädt nicht zu großen Gesten ein, sondern zu kleinen, treuen Schritten. Drei Anregungen für die Tage um den 4. Oktober:
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Quellen
- Psalm 127 – Wo der HERR nicht das Haus baut
- Franz von Assisi – Leben und Wirkung
- Thomas von Celano, Zweite Lebensbeschreibung des heiligen Franziskus (um 1247)
- Erzengel Michael – wer ist wie Gott?


