Haussegen mit Weihrauch – die drei Abende und das Zeichen C+M+B
An drei Abenden im Winter geht in vielen Häusern der Weihrauch durch die Räume: am Heiligabend, an Silvester und am Abend vor dem Dreikönigstag. Am Ende steht das Zeichen über der Tür. Wie dieser Segen gefeiert wird, was C+M+B bedeutet und was man dafür zu Hause braucht.

Als die Weisen aus dem Morgenland das Kind in Bethlehem fanden, legten sie drei Gaben nieder: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Der Weihrauch war die Gabe, die Gott gilt. Was damals in einem fremden Haus geschah, kehrt in diesen drei Winterabenden in das eigene zurück: Ein Mensch nimmt das Gefäß, geht durch die Zimmer, und das Haus wird in den Segen hineingestellt.
Die Kirche betet dabei nicht den Rauch an. Sie liest ihn als Zeichen. Im Psalm heißt es: „Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Rauchopfer.“ Der Duft macht sichtbar, was ohnehin geschieht – dass ein Gebet aufsteigt. Der Schutz, um den gebeten wird, kommt vom Segen und vom Gebet, nicht vom Harz.
Die drei Abende
Der Haussegen mit Weihrauch wird nicht an einem einzigen Tag gefeiert, sondern an drei Abenden, die den Winter miteinander verbinden.
Heiligabend, 24. Dezember. Der erste Abend gehört der Heiligen Nacht. Das Haus wird für das Fest bereitet, oft vor der Bescherung oder nach der Rückkehr aus der Kirche.
Silvester, 31. Dezember. Der zweite Abend steht an der Schwelle des Jahres. Man dankt für das, was war, und bittet um das, was kommt.
Vorabend des Dreikönigstags, 5. Januar. Der dritte Abend ist der eigentliche. Nach dem Gang durch die Räume wird das Zeichen über die Tür geschrieben, und es bleibt dort das ganze Jahr.
In Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ist der 6. Januar ein gesetzlicher Feiertag. Der Abend davor fällt damit in eine ruhige Zeit, in der Familien tatsächlich beisammen sind – das ist einer der Gründe, warum der Brauch dort besonders lebendig geblieben ist.
Verpflichtend ist keiner dieser Abende. Der Haussegen mit Weihrauch ist gewachsenes Brauchtum, kein liturgisches Gebot – welche Abende eine Familie hält, entscheidet sie selbst. Auf den Höfen ging der Rundgang früher weit über die Stube hinaus: durch Kammern, Stall und Nebengebäude, meist zu zweit. Einer trug das Räuchergefäß, einer das Weihwasser.

Was im Haus bereitstehen sollte
Der Segen braucht wenig, aber das Wenige sollte vorhanden sein, bevor der Abend da ist. Wer am 24. Dezember erst sucht, feiert ohne.
- Ein feuerfestes Gefäß. Traditionell eine Schale mit glühender Räucherkohle. Wer ohne Kohle räuchern möchte, nimmt einen Weihrauchbrenner aus Messing, der mit einem Teelicht beheizt wird – die Handhabung ist einfacher, gerade wenn Kinder dabei sind.
- Weihrauch. Für diese Abende eignet sich ein ruhiger, klassischer Duft. Ein Geschenkset mit mehreren Sorten erlaubt es, für jeden der drei Abende einen eigenen Duft zu wählen.
- Räucherkohle und eine Zange, wenn mit Kohle geräuchert wird. Das Set mit Brenner bringt beides mit.
- Kreide für das Zeichen über der Tür am 5. Januar.
Wie Kohle richtig angezündet wird, wie viel Harz auf einmal gehört und wie gelüftet wird, steht ausführlich im Beitrag Weihrauch mit Räucherkohle räuchern.
Vier Dinge werden am 6. Januar gesegnet: Salz, Wasser, Weihrauch und Kreide. Im Bistum Augsburg, zu dem das Allgäu gehört, geschieht das im Festgottesdienst, zusammen mit der Aussendung der Sternsinger. Das gesegnete Wasser wird mit nach Hause genommen und steht dort das Jahr über bereit – beim Rundgang durch die Räume besprengen viele Familien damit, während ein anderer das Gefäß trägt.


Der Segen Schritt für Schritt
Der folgende Ablauf hält sich an das Ritual, wie es die Diözese Gurk-Klagenfurt für Familien herausgegeben hat. Es braucht keinen Priester – der Segen in der Familie wird von einem Erwachsenen gehalten.
Erstens. Ein Erwachsener legt glühende Kohle in das feuerfeste Gefäß und streut einige Weihrauchkörner darauf.
Zweitens. Die Familie versammelt sich. Es beginnt mit dem Kreuzzeichen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Drittens. Es folgt das Segensgebet, das mit den Worten „Guter Gott, wir danken dir …“ beginnt und darum bittet: „Segne unser Haus und verbanne alles Böse aus unserer Mitte.“
Viertens. Das Gefäß wird durch alle Räume getragen. Die Familie geht mit – schweigend, betend oder singend. Manche besprengen zugleich mit Weihwasser.
Fünftens. Kinder und Erwachsene empfangen einen persönlichen Segen. Abgeschlossen wird mit dem Vaterunser, gemeinsam gesprochen.
Sechstens, nur am 5. Januar. Über die Haustür wird mit Kreide geschrieben: die Jahreszahl, dazwischen C+M+B.

C+M+B – was die Buchstaben sagen
Die Buchstaben werden heute in der Kirche als Christus mansionem benedicat gelesen: Christus segne dieses Haus. Diese Deutung hat sich seit den 1960er-Jahren durchgesetzt, als das Sternsingen größer wurde.
Älter ist die andere Lesart: C, M und B als die überlieferten Namen der Weisen – Caspar, Melchior und Balthasar. Der Volkskundler Anton Dörrer hat 1959 beschrieben, dass der Segen ursprünglich ein Abwehrsegen war, der Unheil von Hof und Haus fernhalten sollte.
Beide Deutungen stehen nebeneinander, und keine muss die andere verdrängen. Die Kreuze zwischen den Buchstaben sind dabei keine Pluszeichen, sondern Kreuze. Die Jahreszahl wird um das Zeichen herum geschrieben, die ersten beiden Ziffern links, die letzten beiden rechts.
Regional wird auch K+M+B geschrieben, mit K für Kaspar. Beide Schreibweisen sind in Gebrauch, je nach Gegend und Pfarrei.
Was im Evangelium wirklich steht. Matthäus spricht von Sterndeutern aus dem Osten. Er nennt weder ihre Zahl noch ihre Namen, und Könige nennt er sie auch nicht. Die Dreizahl wurde später aus den drei Gaben erschlossen – Gold, Weihrauch und Myrrhe –, die Namen stammen aus der Überlieferung. Das macht den Brauch nicht kleiner. Es zeigt nur, wie viel Geschichte in vier Buchstaben steckt.

Die Sternsinger an der Tür
Zwischen den Weihnachtstagen und dem 6. Januar ziehen in vielen Gemeinden Kinder als Sternsinger von Haus zu Haus. Sie singen, sammeln für Kinder in anderen Ländern und schreiben den Segen mit geweihter Kreide an die Tür. Auch sie tragen Weihrauch mit sich – der Duft Gottes, der zu den Menschen gebracht wird.
Wo die Sternsinger kommen, braucht es zu Hause nichts weiter als eine offene Tür. Wo sie nicht kommen, tritt der Segen in der Familie an ihre Stelle. Beides ist derselbe Segen; er wird nur von anderen Händen geschrieben.

Rauchnächte, alter Brauch, und was die Kirche dazu sagt
Das Räuchern im Winter ist älter als die Kirche in unseren Breiten. Die Rauchnächte zwischen den Jahren tragen vorchristliche Züge, und daraus ist später der Segen an der Schwelle geworden.
Die Kirche hat diesen Brauch nicht verboten, sondern gefüllt. Sie sagt nicht, dass der Rauch etwas bewirkt. Sie sagt, dass das Gebet gilt und dass Christus das Haus segnet – der Rauch macht es nur sichtbar, so wie eine Kerze das Licht sichtbar macht, das sie nicht selbst ist.
Deshalb steht am Anfang des Rituals das Kreuzzeichen und am Ende das Vaterunser. Wer die Reihenfolge behält, bleibt auf sicherem Grund: zuerst das Gebet, dann das Zeichen.
Selbst der Name ist nicht eindeutig. „Rauhnächte“ wird einmal auf das mittelhochdeutsche rûch für „haarig“ zurückgeführt, auf die fellbekleideten Gestalten der Umzüge, einmal schlicht auf das Räuchern. Beides wird vertreten, entschieden ist es nicht. Für den Haussegen macht das wenig Unterschied: Was ihn trägt, ist das Gebet, nicht der Rauch.

Häufige Fragen zum Haussegen mit Weihrauch
Wann wird das Haus mit Weihrauch gesegnet?
An drei Abenden: am Heiligabend, dem 24. Dezember, an Silvester, dem 31. Dezember, und am Vorabend des Dreikönigstags, dem 5. Januar.
Was bedeutet C+M+B über der Tür?
Die Kirche liest die Buchstaben als Christus mansionem benedicat, also Christus segne dieses Haus. Älter ist die Deutung als Namen der Weisen: Caspar, Melchior und Balthasar.
Braucht man einen Priester für den Haussegen?
Nein. Der Segen in der Familie wird von einem Erwachsenen gehalten. Ein Ritual dafür geben die Diözesen selbst heraus.
Was braucht man für den Haussegen mit Weihrauch?
Ein feuerfestes Gefäß mit Räucherkohle oder einen Weihrauchbrenner mit Teelicht, Weihrauch, eine Zange und Kreide für das Zeichen am 5. Januar.
Welcher Weihrauch passt zum Haussegen?
Ein ruhiger, klassischer Kirchenduft. Wer für jeden der drei Abende einen eigenen Duft wählen möchte, greift zu einem Set mit mehreren Sorten.
Wie lange bleibt das Zeichen an der Tür?
Es bleibt das ganze Jahr stehen und wird im nächsten Januar durch die neue Jahreszahl ersetzt.
Schreibt man die Kreuze als Pluszeichen?
Nein, es sind Kreuze. Die Jahreszahl steht um das Zeichen herum, die ersten beiden Ziffern links, die letzten beiden rechts.
Ist der Brauch Aberglaube?
Der Brauch ist alt und hat vorchristliche Wurzeln. Die Kirche versteht den Rauch als Zeichen: Der Segen kommt vom Gebet und von Christus, nicht vom Harz.

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Quellen
- Matthäus 2 – Die Weisen aus dem Morgenland
- Psalm 141 – Gebet wie Rauchopfer
- Ritual des Weihrauch-Segens in der Familie – Diözese Gurk-Klagenfurt
- Dreikönigssegen – Herkunft und Deutung, katholisch.de
- Salz, Wasser, Weihrauch und Kreide – was am Dreikönigstag gesegnet wird, katholisch.de
- Erscheinung des Herrn – Bistum Augsburg