
Ein alter Priester steht allein im Heiligtum. Vor ihm glüht die Kohle auf dem goldenen Altar, der Rauch steigt langsam nach oben. Draußen wartet das Volk und betet.
Es ist der eine Augenblick, auf den ein Priester sein Leben lang warten kann. Und in diesem Augenblick ist Zacharias plötzlich nicht mehr allein.
Der christliche Ausgangspunkt
„Mein Gebet müsse vor dir taugen wie ein Räuchopfer, mein Händeaufheben wie ein Abendopfer.“
nach Psalm 141,2
Der Weihrauch war nie nur Duft. Er war ein Bild: So wie der Rauch nach oben steigt, langsam und sichtbar, so soll das Gebet zu Gott aufsteigen. Wer im Tempel das Räucheropfer darbrachte, betete stellvertretend für alle, die draußen standen.
Genau dort beginnt die Geschichte von Zacharias und Elisabeth — und mit ihr die Geschichte des Johannes, der später den Weg für Jesus bereiten wird.
Zwei Menschen, die lange gewartet haben
Zacharias ist Priester, Elisabeth stammt selbst aus einem Priestergeschlecht. Beide leben in einem kleinen Ort im Bergland von Judäa. Das Lukasevangelium beschreibt sie als Menschen, die vor Gott untadelig leben.
Und doch bleibt eine Sehnsucht all die Jahre still: Sie haben kein Kind. In ihrer Zeit war das nicht nur ein privater Schmerz, sondern etwas, das man im Dorf sah und über das man redete.
Beide sind inzwischen alt geworden. Das Warten hat aufgehört, ein Warten zu sein. Es ist einfach ihr Leben.
Das Los fällt auf ihn
Die Priester waren in vierundzwanzig Abteilungen eingeteilt. Zacharias gehörte zur Ordnung Abija. Jede Abteilung war zweimal im Jahr für eine Woche im Tempel von Jerusalem an der Reihe.
Wer von ihnen das Räucheropfer darbringen durfte, wurde ausgelost. Nach rabbinischer Überlieferung kam ein Priester bei der großen Zahl der Dienenden höchstens einmal im Leben an die Reihe — viele nie. Lukas selbst sagt dazu nichts; er schreibt schlicht, „an ihm war, dass er räuchern sollte“.
An diesem Tag fällt das Los auf Zacharias. Er betritt das Heiligtum, allein. Draußen im Vorhof versammelt sich das Volk.
„Und die ganze Menge des Volks war draußen und betete unter der Stunde des Räucherns.“
nach Lukas 1,10
Der Engel am Räucheraltar
Während der Rauch aufsteigt, geschieht das Unerwartete.
„Es erschien ihm aber der Engel des HERRN und stand zur rechten Hand am Räucheraltar.“
nach Lukas 1,11
Der Engel nennt ihm seinen Namen: Gabriel. Und er bringt eine Nachricht, auf die Zacharias nicht mehr vorbereitet war: Elisabeth wird einen Sohn bekommen. Johannes soll er heißen.
Zacharias fragt zurück. Nicht aus Bosheit, sondern weil er rechnet: Er ist alt, seine Frau ist alt. Woran soll er das erkennen?
Die Antwort ist ernst. Weil er gezweifelt hat, wird er schweigen, bis alles geschehen ist. Als er aus dem Heiligtum heraustritt, will er sprechen und kann es nicht. Die Menschen draußen begreifen: Er hat etwas gesehen.
Die Monate des Schweigens
Es folgt eine lange, stille Zeit — eine ganze Schwangerschaft und acht Tage dazu. Elisabeth erwartet tatsächlich ein Kind. Ihre junge Verwandte Maria kommt aus Nazareth zu Besuch, und zwei Frauen begrüßen einander, die beide etwas tragen, das sie nicht erklären können.
Zacharias ist in all diesen Monaten dabei — und sagt kein Wort. Vermutlich hörte er auch nicht mehr: Bei der Namensgebung reden die Verwandten ihn nicht an, sie winken ihm (Lukas 1,62). Das griechische Wort, das Lukas verwendet, deckt beides ab, stumm und taub.
Man darf das Schweigen auf zwei Weisen lesen. Als Folge des Zweifels, ja. Aber auch als eine Zeit, in der ein Mann nichts mehr erklären, nichts mehr begründen, nichts mehr verhandeln kann. Er kann nur noch zusehen, wie Gott tut, was er gesagt hat.
„Sein Name ist Johannes“
Am achten Tag nach der Geburt kommen Verwandte und Nachbarn zusammen. Alle sind sich einig: Das Kind soll Zacharias heißen, wie der Vater.
Elisabeth widerspricht zuerst — sie war nicht im Tempel gewesen und hatte keinen Engel gesehen: „Mitnichten, sondern er soll Johannes heißen.“ Die Nachbarn wenden sich an den Vater. Zacharias lässt sich ein Täfelein geben und schreibt.
Er schreibt keinen Wunsch, sondern eine Feststellung: „Er heißt Johannes.“
In diesem Augenblick löst sich seine Zunge. Das Erste, was er nach neun Monaten sagt, ist kein Satz über sich selbst, sondern ein Lobgesang — das Benedictus, das bis heute im Stundengebet der Kirche gebetet wird.
Der Name war kein Familienname. „Johannes“ heißt: Gott ist gnädig. Zacharias schreibt nicht auf, was alle erwarten, sondern was ihm gesagt worden war.
Wann ist ihr Gedenktag?
Hier lohnt sich eine genaue Antwort, weil im Netz oft nur ein Datum genannt wird.
Zacharias und Elisabeth stehen an mehreren Tagen im Kalender, und die Angaben im Netz sind oft veraltet.
Das heutige Römische Martyrologium nennt den 23. September — dort stehen beide gemeinsam als „die heiligen Zacharias und Elisabeth, die Eltern des heiligen Johannes des Täufers“. Im Allgemeinen Römischen Kalender haben sie keinen eigenen Gedenktag.
Der 5. November ist die ältere römische Angabe, aus dem Martyrologium von 1956 — und er lebt bis heute im evangelischen Namenkalender weiter, dort allerdings für Elisabeth allein.
Im Osten werden beide am 5. September gefeiert.
Dazu kommt der 24. Juni, das Fest der Geburt des Johannes, an dem die Eltern miterwähnt werden.
Dass es mehrere Daten gibt, ist bei biblischen Heiligen nicht ungewöhnlich: Ihre Verehrung ist älter als die heutigen Kalender und hat sich verschieden entwickelt.
Was Überlieferung ist und nicht Bibel
Über die beiden steht in der Bibel genau ein Kapitel: Lukas 1. Alles andere, was man über sie liest, ist spätere Überlieferung — und es lohnt sich, das auseinanderzuhalten.
Zacharias als Hoherpriester steht nicht bei Lukas. Lukas nennt ihn einen Priester der achten von vierundzwanzig Ordnungen. Die Erhebung zum Hohenpriester stammt aus dem Protevangelium des Jakobus, einer Schrift des zweiten Jahrhunderts.
Sein Martyrium im Tempel — Herodes lasse ihn töten, weil er nicht verrät, wo das Kind versteckt ist — stammt aus demselben Umfeld. Dahinter steht eine Verwechslung von mindestens drei verschiedenen Männern namens Zacharias: dem Vater des Johannes, dem im Tempelvorhof gesteinigten Zacharias aus dem zweiten Buch der Chronik, und dem „Zacharias, Sohn Barachias“, den Matthäus 23,35 erwähnt. Das Heiligenlexikon setzt hinter „Märtyrer“ selbst ein Fragezeichen.
Dass Elisabeth mit dem Kind in die Wüste floh und ein Berg sich öffnete, um die beiden zu verbergen, ist östliche Überlieferung. Dass sie Marias Tante war, ebenfalls — Lukas sagt nur „deine Gefreunde“, eine Verwandte, ohne den Grad zu nennen.
Nichts davon ist wertlos. Aber es ist Erzählung über die beiden, nicht Bericht von ihnen.
Was uns Zacharias und Elisabeth heute sagen
Es ist die Geschichte von zwei Menschen, die weitergebetet haben, als das Gebet längst keine Aussicht mehr hatte. Der Engel sagt nicht: „Dein Gebet wird erhört.“ Er sagt: Es ist erhört worden. Irgendwann, in all den Jahren, in denen nichts geschah.
Und es ist die Geschichte eines Mannes, der erst still werden musste, bevor er singen konnte.
Vielleicht kennen Sie beides: ein Anliegen, das Sie schon so lange tragen, dass Sie es kaum noch aussprechen. Und Zeiten, in denen Ihnen die Worte fehlen.
Weihrauch für das Gebet zu Hause
Der Weihrauch aus dem Tempel ist nicht in der Geschichte geblieben. Bis heute begleitet er das Gebet der Christen — im Gottesdienst und zu Hause, in der stillen Stunde am Abend.
Wenn Sie diese Stunde bei sich einrichten möchten, finden Sie bei uns Weihrauch in kirchlicher Qualität und einen Weihrauchbrenner aus Messing, der ohne Kohle auskommt: Ein Teelicht genügt, das feine Sieb erwärmt das Harz, und der Duft steigt auf wie in der Erzählung des Lukas.
Wer einen festen Platz dafür sucht, findet Anregungen in unserem Beitrag zur Gebetsecke zu Hause.
Häufige Fragen
Wann ist der Gedenktag von Zacharias und Elisabeth?
Das heutige Römische Martyrologium nennt beide gemeinsam am 23. September. Der 5. November ist die ältere Angabe von 1956 und steht heute noch im evangelischen Namenkalender — dort für Elisabeth. Im Osten ist es der 5. September. Am 24. Juni werden die Eltern beim Fest der Geburt Johannes‘ des Täufers mitgefeiert.
Wer waren Zacharias und Elisabeth?
Die Eltern Johannes‘ des Täufers. Zacharias war Priester der Ordnung Abija, Elisabeth stammte aus einem Priestergeschlecht und war eine Verwandte Marias. Ihre Geschichte steht im ersten Kapitel des Lukasevangeliums.
Warum wurde Zacharias stumm?
Weil er die Botschaft des Engels anzweifelte. Nach Lukas 1 sollte er schweigen, bis das Verheißene eingetroffen war. Als er den Namen des Kindes aufschrieb, löste sich seine Zunge. Lukas 1,62 legt nahe, dass er in dieser Zeit auch nicht hören konnte.
Was bedeutet das Räucheropfer im Tempel?
Der aufsteigende Rauch war ein sichtbares Bild des Gebets. Der Priester brachte es am goldenen Räucheraltar im Heiligtum dar, stellvertretend für das Volk, das währenddessen draußen betete — so beschreibt es Lukas 1,10. Mit dem Allerheiligsten, das nur der Hohepriester einmal im Jahr betrat, hat die Szene nichts zu tun.
Was ist das Benedictus?
Der Lobgesang des Zacharias nach der Geburt seines Sohnes, Lukas 1,68–79. Er wird bis heute täglich im Morgengebet der Kirche gebetet.
War Zacharias Hoherpriester?
Nein. Lukas nennt ihn einen Priester der Ordnung Abija, der achten von vierundzwanzig. Die Vorstellung vom Hohenpriester stammt aus dem Protevangelium des Jakobus, einer außerbiblischen Schrift des zweiten Jahrhunderts.
Quellen
- Bibel: Lutherbibel 1912, Lukas 1
- Ökumenisches Heiligenlexikon (heiligenlexikon.de), Artikel Zacharias und Elisabeth
- 1. Chronik 24 zu den vierundzwanzig Priesterordnungen (Abia ist die achte)
- Protevangelium des Jakobus (2. Jh.), für die außerbiblische Überlieferung
- Martyrologium Romanum, Eintrag zum 23. September
Zum Weiterlesen
- Weihrauch zu Hause — wie Sie eine Gebetsecke einrichten
- Allerheiligen und Allerseelen — zwei Tage, zwei Bedeutungen
- Leonhard von Noblat — der Heilige der Ketten
